Tag 99 (10. März) – Käselaugenstangen in Neuseeland
Müde schälten wir uns an diesem Morgen nach einer verregneten Nacht aus dem Zelt. Mit Frühstück und Kaffee bewaffnet überwunden wir die 20 Meter bis zum Strand. Fast so schön wie zu Hause am Frühstückstisch.
Dann ging es nach Kerikeri, wo wir von einem tollen, rustikalen Farmers Market gehört hatten. In der Tat stellte sich dieser Markt als einer der besten, die wir in Neuseeland bisher gefunden hatten, heraus. Hier fanden wir aller Hand individuellen Schnickschnacks – perfekt für mögliche Mitbringsel. Und es gab sogar einen deutschen Bäcker – mit Käselaugenstangen. Sachen gibt’s. Aber geschmeckt haben Sie.
Da das Wetter für die nächsten Tage hier nicht besonders angesagt war und außerdem ein großer Wirbelsturm von Norden im Anmarsch war, entschieden wir uns, so schnell wie möglich, zum nördlichsten Punkt Neuseelands zu gelangen. Also stand heute wieder eine längere Autofahrt an, die uns bis an den 90 Mile Beach führte. Dort übernachteten wir im Utea Park, ein Hippie-ähnlicher Campingplatz.
Tag 100 (11. März) – Der nördlichste Punkt Neuseelands
Das Besondere am 90 Mile Beach ist, dass er als Alternative zur Landstraße benutzt werden kann. Dies sollte über die gesamte Distanz allerdings nur mit einem Allrad-Antrieb gemacht werden. Ansonsten kann es passieren, dass man am Strand stecken bleibt und die Flut dann das Auto mit ins Meer zieht.

Trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen auch mal eine kleine Spritztour am Strand entlang zu machen, was mir sehr viel Spaß machte und Cucki einige Kreischer entlockte.
Doch so richtig sicher fühlten wir uns nicht auf dem Strand und so ging es bald für uns zurück auf die richtige Straße. Von hier machten wir Abstecher zur Henderson Bay und zum Rawara Beach. Tolle Strände.

Aber nichts gegen das Highlight des heutigen Tages. Die Sanddünen von Te Paki. Eine riesige Wanderdünenlandschaft. Hier konnten wir uns zusammen ein Sandboard leihen und schon ging es los, die riesigen Sandberge hinauf. Es ist nicht zu unterschätzen, wie anstrengend das Hochklettern ist. Aber umso mehr Spaß macht dann die Abfahrt.
Je weiter wir nach oben kamen, desto stärker wurde auch der Wind, so dass in Verbindung mit den Sandkörnern ein angenehmer Peeling Effekt auf der Haut entstand. Während zu Anfang noch jeder alleine sich an der Talfahrt versuchte, probierten wir es bei den nächsten Hügeln gemeinsam auf dem Brett aus. Und siehe da, es klappte vorzüglich.
Aber nur das erste Mal. Beim zweiten Mal erwischten wir eine Bodenwelle und es verriss uns völlig. Ergebnis: Wir beide schleuderten durch die Lüfte und landeten unsanft im Sand. Natürlich hatten wir auch einige Zeugen, die sich über die Szene amüsierten. Uns beiden ging es zum Glück einigermaßen gut. Allerdings hatte Cora die nächsten Tage mit einigen Nackenschmerzen zu kämpfen.
Nach der Sandboard Gaudi ging es für uns beide dann weiter zum Cape Reinga und damit zur Nordspitze Neuseelands. Ein schöner Leuchtturm markiert diesen Punkt.

Hier treffen auch zwei Meere aufeinander – die Tasmanische See und der Pazifische Ozean. Laut Maori-Tradition, das weibliche und männliche Meer, die hier zusammentreffen. Tatsächlich ist dieser Punkt recht gut zu erkennen, denn auf dem offenen Meer knallen von den zwei Strömungen angetrieben die Wellen aufeinander.

Ein super schöner Ort und sinnbildlich für das Ende unserer Reise. Ab jetzt geht es nur noch südwärts nach Auckland.
Wir nahmen uns vor, diesen Ort am nächsten Morgen noch einmal einen Besuch abzustatten und fuhren zum nahe gelegenen Campingplatz in der Taputopotu Bay. Hier bauten wir unser Zelt im immer stärker werdenden Wind auf und hofften auf eine ruhige Nacht. Doch der Sturm schickte seine Vorzeichen voraus und wehte unser Zelt kräftig durch.
Tag 101 (12. März) – Auf der Flucht vor dem Sturm
Brrr. Ist das ekelhaft. Wir wachten auf und das Zelt wackelte nur so um uns herum. Starke Böen trieben außerdem sehr viel Regen mit sich, so dass es uns sehr viel Überwindung kostete, aus dem Zelt zu kommen. Während andere Zelte in riesigen Pfützen standen, hatten wir noch eine gute Position erwischt.
Nach dem Abbau machten wir uns nochmal auf den Weg zum Leuchtturm, nur dass wir diesmal auf Grund des Wetters vollkommen alleine dort waren. Was bei dem vielen Regen auch echt nicht verwunderlich war. So kamen wir auch völlig durchnässt zurück, aber die stürmische See und die Einsamkeit am nördlichsten Punkt Neuseelands waren es definitiv wert.
Schnell umgezogen, ab ins warme Auto und wieder in den hoffentlich trockeneren Süden. Doch damit wurde erstmal nichts, denn die ganze Fahrt über begleitete uns der Wind und der Regen. So entschieden wir uns die Mittagspause in einem netten Café in Mangonui zu verbringen.
Am späten Nachmittag kamen wir dann am Campingplatz in der Tauranga Bay an und waren etwas erschrocken, als die nette Dame an der Rezeption meinte, dass wir eventuell überhaupt nicht zelten könnten. Grund war wieder einmal der Typhoon. Dessen Kurs war immer noch unklar. Als provisorische Maßnahme waren bereits alle großen Wohnmobile weg von der Küste gerückt, um ja nicht überrascht zu werden. Einige Jahre zu vor war der Campingplatz bei einem anderen starken Sturm halb überflutet wurden, deshalb die Vorsicht.

Nach genauem Studium der Wetterkarten wagten wir es aber und bauten das Zelt etwas abseits im Schatten unseres Wagens auf, so dass es erstmal trocknen konnte. Während des ganzen Nachmittags wehte es sehr heftig, doch das Zelt hielt Stand. Und dann rissen plötzlich die Wolken auf.

Und der ganze Tag war vergessen.

Wir sahen einen unglaublichen, sturmgeprägten Sonnenuntergang.